Sport - gesund o. Leistungsfalle?

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Sport: Gesund oder Leistungsfalle?

Eine Betrachtung aus psychologischer Sicht mit Tipps für Eltern

Sport als Trend 
Zurzeit gilt in unserer Gesellschaft das Motto : ?Sport ist nicht nur gesund ? Sport muss sein!?
 
Es gab lange Zeitphasen, da wurde das ganz anders gesehen : Körperliche Anstrengung galt als ungesund und verschleißend und war ein herabsetzendes Merkmal der niederen Kasten, der Knechte und Mägde.
In gehobenen Kreisen bewegte man sich auch beim Tanzen gemessen, und zarte Glieder wie auch fette Bäuche waren hoch angesehene Privilegien, ein Merkmal für Wohlstand.
 
Natürliche Bewegungsfreude
Beide Standpunkte haben, psychologisch gesehen, etwas leicht Ungesundes an sich. In beiden fehlt das Element Lust; stattdessen wird ein Zwang oder ein Verbot vorgegeben, das keine Rücksicht auf individuelle Veranlagung und Begeisterungslage nimmt.
 
Kinder sind von Natur aus bewegungsfreudig. Auf jedem Spielplatz können die natürlichen Bewegungsabläufe und auch die Gestaltung von Ausruh- und Tobephasen beobachtet werden.
 
Unzähligen Menschen ist die Bewegungsfreude schon in der Kinderzeit durch das Stillsitz-Gebot in der Schule einerseits und den Bewegungszwang im Sportunterricht andererseits ein für allemal ausgetrieben worden ? fatal, denn viele Erkrankungen (zum Beispiel des Herz-Kreislaufsystems) und psychische Beeinträchtigungen (zum Beispiel Schlafstörungen) haben ihre Ursache in der verhinderten Selbstregulation des Bewegungsdrangs.
 
Übertrainiert!
Die möglichen negativen Folgen von übertriebenem sportlichen Ehrgeiz und einem Trainingsprogramm, das die individuellen körperlichen Fähigkeiten überfordert und die Faktoren Lust und Freude an der Bewegung rücksichtslos übergeht, sind bekannt :
Knochenbrüche, Sehnenabrisse, sehr schmerzhafte Muskelfaserrisse, Prellungen und Verstauchungen sowie im mittleren Alter, wenn das Training zu schnell zurückgefahren wird, ein Sportlerherz, das eine dauerhafte Schädigung darstellen kann.
Bei übertrainierten Kindern, Jugendlichen und Leistungsportlern ist aber auch das Burn Out-Syndrom bekannt, bei dem nicht nur die Leistung stark zurückgeht, sondern auch depressive Verstimmungen und emotionale Unausgeglichenheit vorkommen.
 
Was Eltern tun können
Auf der anderen Seite steht die tiefe Befriedigung, die wirklich gute sportliche Leistungen schenken und die nur durch eine kontinuierliche Disziplin erreicht werden können.
Wie können Eltern die Bewegungsfreude ihres Nachwuchses auf gesunde Weise fördern und unterstützen ?
 
Vorleben statt antreiben 
Kleine Kinder finden toll, was ihre Eltern toll finden. Wer sich also schon früh gemeinsam mit den Sprösslingen regelmäßig sportlich bewegt, eröffnet ihnen eine selbstverständliche Option auch für das spätere Leben.
Die Kinder sind schon größer und neigen leider zu Trägheit ? Es ist für Eltern nie zu spät, sich eine Sportart auszusuchen, die auch ihren Kindern gefallen könnte --- und diese Sportart dann einfach vorzuleben. (Das ist natürlich eine Sportart, die alle in der Familie interessant finden können !)
 
Spielsport bevorzugt (zum Beispiel Ballsportarten) 
Spielen und gewinnen, sich mit anderen Menschen messen, blitzschnelle Interaktionen gestalten macht den meisten Kindern mehr Spaß als gegen die Uhr oder für Bewertungspunkte kämpfen.
Die Bewegungsabläufe bei Spiel-Sportarten sind vielfältig und den natürlichen Abläufen sehr nahe.
Die Selbstregulation von Ausruhen und Toben hat mehr Raum, gerade in Mannschaftsspielen mit Austauschsspielern.
Soziale Fähigkeiten wie Wahrnehmung des anderen, Team-Aufgaben verteilen und erfüllen, sich miteinander abstimmen, ein Ziel gemeinsam erreichen werden ganz nebenbei prima trainiert.
 
Ausgleich beachten 
Eltern tun gut daran, ein Auge auf die Trainingseinheiten ihrer Kinder zu haben. Bei aller Begeisterung sind für Schulkinder bis etwa 14 Jahre drei Trainingstage mit intensiver Anstrengung in der Woche genug. Denn Hochleistungssport kann auch missbraucht werden zum möglichst häufigen Adrenalin-Kick, woraus tatsächlich eine Sucht entstehen kann. Das häufige Adrenalin-Hoch im Körper bewirkt wie jede andere Substanzabhängigkeit einen veränderten Bewusstseinszustand, in dem alltägliche Probleme und unangenehme Stimmungen weit weg scheinen. Wenn der Adrenalinspiegel dann fällt, sind diese in voller Größe und ungelöst wieder da, zusätzlich zu der etwas gedämpften Gemütslage, die sich nach großen Anstrengungen einstellt.
Entspannung genießen und Unternehmungen mit anderen, den Kopf für die Schule anstrengen, Probleme lösen lernen und im Umgang mit Menschen geschickt werden sind Lebensbereiche, die für Kinder und Jugendliche einen ebenso hohen Rang wie gute Leistungen im Sport haben sollten. Nur so kann sich eine Persönlichkeit entwickeln, mit der einem als junger Erwachsener viele Wege offen stehen.
 
Die Dosis macht die Medizin; ebenso macht die rechte Sport-Dosis die Gesundheit. Und die richtige Dosis ist für jeden Menschen einzigartig.

Dieser Artikel ist auf den Seiten des Berliner Versicherungsvergleichs erschienen



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