Die geheimen Gewinne des Scheiterns
So erkennen Sie Ihre versteckten
Boykotteure
"Das Geheimnis des Erfolges ist, den eigenen Standpunkt zu verstehen"
Was ist eigentlich Erfolg?
Menschen wollen erfolgreich
sein. Jeder definiert dabei Erfolg natürlich ganz individuell. Gesellschaftlich
hochgeschätzte Erfolge sind zum Beispiel
- eine sichere,
gut bezahlte Arbeitsstelle
- Eine gut
laufende Partnerschaft
Im Einzelfall kann aber zum
Beispiel eine öffentliche Rede, die Anklang findet, ein hart erkämpfter Erfolg
sein: der Sieg über starkes Lampenfieber.
Oder nach zahlreichen
Anläufen endlich zum Nichtraucher werden.
Erfolg ist also einfach das
Erreichen eines definierten Zieles.
Warum How to's nicht immer funktionieren
Kluge Ratschläge und Strategien
zum Thema Erfolg auf dem "How to" - Niveau ("How to succeed in nine days") gibt es mittlerweile reichlich.
Haben Sie schon alles
Mögliche ausprobiert - und es sind trotzdem noch Wünsche offen?
Kein Wunder, sondern eher
normal. Die "How to's" sagen Ihnen entweder, was Sie sowieso schon wissen, oder
berücksichtigen nur die Oberfläche, nämlich die Strategie-Ebene.
Innere Erfolgs-Boykotteure
entziehen sich jedoch dem reinen Strategiemanagement; zu erkennen sind sie an
den Stellen, an denen die bisherigen Lösungsversuche scheitern.
Das innere Räderwerk
Sind Sie bereit, etwas
tiefer zu schauen? Dann werden wir uns hier ein wenig mit der so genannten
Psycho-Dynamik befassen, also einigen Gesetzmäßigkeiten, nach denen unser
Innenleben den konkreten Faktenbereich steuert und zwar nach aktueller
Schätzung zu mindestens 85 (!) Prozent.
Sie sind schon maximal erfolgreich!
Dafür brauchen wir zunächst
die Erkenntnis, dass wir bereits erfolgreich sind!
Allerdings entscheidet
darüber, worin der Erfolg besteht, nicht der Kopf, sondern der Bauch; nicht der
Wille, sondern der Instinkt.
Und die Instinkt-Abteilung
hat als vordringlichste Aufgabe, uns in Sicherheit zu bringen oder zu halten.
Mit dieser Faustformel
können Sie wie mit einer Taschenlampe auf die Suche gehen:
Was an meinem gewollten
Erfolg könnte meine Instinkt-Abteilung gefährlich finden?
Berücksichtigen Sie, dass
unser Instinkt jede bereits durchgemachte Erfahrung speichert und einordnet in
die Kategorien: Erstrebenswert - neutral - zu meiden. Neue Erfahrungen oder ins
Auge gefasste neue Erfahrungen werden von der Instinkt-Abteilung
dementsprechend durch Abgleich mit dem "Archiv" auf mögliche Ähnlichkeiten und
Gefahren oder Verluste hin abgeklopft. Bei dem Ergebnis: "Lieber nicht!" werden
die bewussten Entscheidungen so gelenkt, dass das geplante Ziel vereitelt wird.
Dieser gesamte Vorgang läuft
sowohl komplett unwillkürlich als auch bei den meisten Menschen ganz unbewusst
ab. Zum Glück kann man den Vorgang aber mit viel Aufmerksamkeit und
Selbstehrlichkeit erkennen und beobachten.
Die inneren Wächter wollen verstanden werden
Erfahrungsgemäß lässt die
innere 'Boykottabteilung' durchaus mit sich verhandeln, wenn ihr Hintergrund,
also der Sinn des Boykotts verstanden wird.
Dieser Sinn setzt sich
meistens zusammen aus dem angezielten Schutz vor Situationen, die ähnlich
früher schon einmal gefährlich waren, die aber heute in einem ganz anderen
Kontext stehen (Zum Beispiel, dass wir nicht mehr vierjährig und von Riesen
umgeben und bedroht sind. Hier muss die Boykott-Abteilung auf den aktuellen
Stand gebracht werden.) und vor realen Nachteilen, die der Instinkt ganz
richtig vorausahnt.
Das macht eine sorgfältige
Sortierarbeit notwendig.
Wir können also unsere
Taschenlampe an die Frage binden:
Welche (mir bisher noch nicht
bewussten) Nachteile
könnte mir der angezielte Erfolg einbringen?
Hier einige Beispiele dazu:
(Die Beispiele schildern nur
jeweils einen Aspekt eines ganzen Gefüges)
- Das Coaching-Anliegen von Herrn Krause lautet kurz und bündig: "Ich will endlich reich und berühmt sein". Der Coach fragt: "Und kann Ihre
Frau Sie dann noch lieben?" Da die Ehefrau daneben sitzt, kann sie
praktischerweise dazu befragt werden. Der Coach fragt sie: "Wie würden Sie
damit umgehen, wenn Ihr Mann reich und berühmt ist?" Frau
Krause antwortet wie aus der Pistole geschossen: "Die Reichen und Berühmten,
die ich kenne, sind mir unsympathisch. Kaltherzige Wichtigtuer. Unecht. Da
hätte ich die Befürchtung, dass mein Mann auch so wird. Lieber etwas kleiner
und dafür mehr Herzlichkeit - das wünsche ich mir."
Damit ist klar, dass Herr
Krause im Partnerschaftsbereich erfolgreich ist, indem er nicht reich und
berühmt wird. So erhält er sich die Zuneigung seiner Frau. Sein 'Bauch', also
seine Instinktabteilung kennt diese Einstellung seiner Frau genau und sorgt auf
raffinierte und unmerkliche Weise dafür, dass der Status Quo erhalten bleibt.
Denn im Moment würde er
Konflikte, Streit, Reibereien, Vorbehalte, Verachtung, Abwertung und womöglich
sogar verlassen werden riskieren, wenn er ohne Klärung und Verhandlung sein
Ziel, reich und berühmt zu werden, verfolgt.
Man könnte das Coaching nun
natürlich fortsetzen, indem man prüft, wie viele unsympathische Reiche und
Berühmte die Ehefrau tatsächlich kennt und ob sie auch Ausnahmen zulässt. Wenn
ja, können diese genauer untersucht werden. Wenn nein, könnte die Frage aufgeworfen
werden, was ein Vorurteil ist und welchem Zweck dieses wiederum dient; welche Gewinne es also
einbringt, es beizubehalten.
Der Ehemann kann wiederum
untersuchen, ob seine Frau vielleicht etwas ausspricht, was auch in ihm, aber
vor seiner Aufmerksamkeit gut verborgen ist.
- Das Coaching-Anliegen von Herrn Schneider
lautet: "Ich habe mich um den Posten als Abteilungsleiter beworben und ihn
nicht bekommen. Warum? Und wie bin ich bei der nächsten Chance erfolgreich
mit meiner Bewerbung?"Die erste Bitte des Coachs: "Nennen
Sie bitte fünf Aspekte in Ihrem Leben, auf die Sie besonderen Wert legen." Herr
Schneider zählt auf: "Ein gutes Betriebsklima, in dem ich mich wohl fühle.
Regelmäßig Squash spielen. Gute Gespräche mit meiner Frau, überhaupt ein gutes
Eheleben. Zeitnah über technische Neuheiten informiert sein. Anerkennung von
Kollegen und Vorgesetzten und von meiner Frau.?" Hier
wird deutlich, dass Herr Schneider ein harmoniebedürftiger Mensch ist, denn ein
solcher Punkt kam in ähnlicher Form zweimal vor (der erste und der letzte). Der Coach fragt als Nächstes: "Was
genau würde sich in finanzieller, beruflicher oder privater Hinsicht für Sie
ändern, wenn Sie den Posten bekommen?" Durch
diese Frage wird schnell deutlich, dass Herrn Schneider unterschwellig schon
klar ist, dass sein Wunsch nach guter Einvernehmlichkeit mit den Kollegen durch
den Aufstieg in die Führungsriege mehr als fraglich wird: Entweder wird er ein
kumpelhafter, somit unklarer und dadurch uneffizienter Chef. Oder riskiert
Konflikte, wenn seine Entscheidungen von Mitarbeitern diskutiert, skeptisch
hinterfragt oder abgelehnt werden. Bei
dieser Aussicht fühlt er sich deutlich körperlich unwohl, unbehaglich und
angespannt.
Herr
Schneider hat also erfolgreich verhindert, dass er Abteilungsleiter wurde.
Damit ist ihm bis auf weiteres das gute
Einvernehmen mit den Kollegen sicher. Gut möglich, dass auch seine anderen 'Wertepunkte' durch den Aufstieg gefährdet würden, zum Beispiel das
Squash-Spielen durch längere Arbeitszeiten und unregelmäßige Besprechungszeiten.
Solange
Herr Schneider also nicht selbstehrlich reflektiert, wie genau er sich das
Leiten einer Abteilung vorstellt und einen fairen, aber klaren Führungsstil
trainiert, bis er sich darin sicher fühlt, stehen zum Glück die Chancen
schlecht, ein schlechter oder gestresster Abteilungsleiter zu werden.
Die Erlaubnis zum Erfolg muss innen
verhandelt werden
Sie
sehen, das so genannte Unbewusste ist nicht unbedingt weit weg oder tief unter
der Erde. Das Meiste haben wir bisher nur noch nicht beachtet und angeleuchtet.
Der
Trick besteht darin, wie so oft im Leben, auf die richtigen Fragen zu kommen
und sie sich so selbstehrlich wie möglich zu antworten, auch wenn es schmerzt.
Dann
kann Erfolg verhandelt werden - mit sich selbst!
Dieser Artikel erschien auf den Seiten von Businessvillage