Finde das Tier in Dir!
Lust kontra Angst
Angst gilt nicht als
ursprüngliches Erleben, sondern als ein sekundärer Vorgang, als Reaktion auf
etwas anderes. Der Körper produziert, anders ausgedrückt, Angst nicht von sich
aus, sondern als Lösungsversuch. Daher müssen Angstzustände nicht als
Erkrankung, sondern können als Gesundungsversuche gesehen werden, die freilich
oft leider stecken bleiben.
Wie entsteht also Angst?
Grundbedürfnisse sind immer präsent
Um diese Frage zu
beantworten, lohnt es sich, einmal nachzufragen, von was wir eigentlich
gesteuert werden in unseren Entscheidungen und in unserem Erleben. Und da
tauchen als erstes die biologischen Grundbedürfnisse auf:
Ein Grundbedürfnis strebt
immer danach, bestimmte Bedingungen herzustellen, die ein Wohlgefühl erlauben
oder zumindest die Abwesenheit von negativen Zuständen.
Neben den körperlichen
Grundbedürfnissen wie dem Stillen von Hunger und Durst, Schutz vor zuviel Kälte
und Hitze ist das stärkste Grundbedürfnis das nach Sicherheit, sowohl körperlich
als auch emotional; also der Schutz vor Bedrohung. Gleichstark ist das
Bedürfnis danach, sich intensiv zu spüren, um zu wissen: Ja, ich lebe. Ich
pulsiere. Ich nehme teil.
Wir haben also zwei sich
widersprechende Grundbedürfnisse ständig zu verwalten:
Das nach Sicherheit und das
nach Risiko.
Eine Instanz in uns wacht 24
Stunden am Tag darüber, ob diese Grundbedürfnisse erfüllt sind. Wenn nicht,
gibt sie Signale, weckt uns zum Beispiel aus tiefstem Schlaf (Wer ist nicht
schon wegen eines verdächtigen Geräusches oder mit starkem Durst mitten in der
Nacht aufgewacht?)
Die Basisreflexe
Um das Bedürfnis nach Schutz
vor Bedrohung zu gewährleisten, hat uns die Natur im Bedrohungsfall mit drei
Instinkt-Reaktionen, auch Basis-Reflexe genannt, ausgestattet, die im Stammhirn
und im Bauchhirn verankert sind. Sie folgen also nicht dem Willen, sondern
werden autonom gesteuert, wenn - ja, wenn sie nicht von außen gestört oder
verhindert werden oder wurden:
Angriff
Zum Angriff übergehen hat
den Sinn, Bedroher aus dem eigenen Revier zu vertreiben und damit die
Sicherheit dieses Ortes wieder herzustellen. Ein weiterer Sinn des Angreifens
ist es, das eigene Revier zu erweitern, wenn in ihm die Grundbedürfnisse nicht
mehr gedeckt werden können. Man weitet sein Revier aus (und zwar meist auf
Kosten des bisherigen Revierinhabers, gegen den gekämpft werden muss), bis es genügend
Ressourcen umfasst, die das Überleben sichern.
Dieser Vorgang wird mit
Aggression bezeichnet. Aggression kommt vom lateinischen 'aggredi' und heißt
wörtlich übersetzt: Herangehen. Wir sind also in diesem Sinne auch aggressiv,
wenn wir ein Objekt 'in Angriff nehmen', uns auf etwas oder jemanden zu bewegen
oder wenn wir schlicht geboren werden und unseren Platz im Leben beanspruchen.
Flucht
Wenn wir instinktiv
wahrnehmen, dass ein Angriff kaum bis keine Aussicht auf Erfolg hat, wählen wir
blitzschnell die nächste Option: Wir machen uns davon, so schnell und gut es
geht. Der Fluchtreflex kommt erst wieder zur Ruhe, wenn klar ist, dass wir nun
an einem sicheren Ort angekommen sind. Oder bis die rein körperlichen Reserven
erschöpft sind, so dass wir (uns) aufgeben.
Erstarrung
Diese hat zwei Aspekte:
Zuerst einmal erstarren wir, um die Gefahr einzuordnen und setzen unsere
Sinnesorgane dafür extrem intensiv ein: Von wo und von wem oder was geht die
Gefahr aus? Worin genau besteht sie? Wie gefährlich ist sie? Welche
Möglichkeiten stehen zur Verfügung? Dafür müssen wir den Atem anhalten (damit
wir nicht durch die Atemgeräusche im Hören beeinträchtigt werden) und absolut stillhalten (damit wir genau und ohne 'Verwackeln' schauen und riechen können).
Sind Flucht oder Angriff nicht
Erfolg versprechend, greifen wir zum zweiten Zweck der Erstarrung: Unsichtbar
werden. Bei vielen Raubtieren wird der Jagdtrieb durch die Bewegungen ihrer
Beute aktiviert. Und wenn ein Beutetier keinen Fluchtweg sieht und ein Angriff
aussichtslos ist, dann bleibt ihm nur, sich möglichst unsichtbar zu machen und
alle Bewegungen einzufrieren.
Die Lust der Reflexe
Erinnern Sie sich noch, wie
Sie als Kind Nachlaufen (Angreifen und Flüchten) oder Verstecken (Erstarren)
gespielt haben? Und wie die Erregung absichtlich hergestellt wurde - weil sie
so lustvoll war? Wir spüren uns nie so intensiv, als wenn wir mit vollem Einsatz
und ungehemmt für die Deckung eines Bedürfnisses sorgen. Diese Art der Erregung
ist durch den extrem hohen Adrenalinspiegel so intensiv. Als lustvoll, rauschhaft,
ja, sogar ekstatisch wird sie erlebt, wenn der Körper das Kommando übernimmt
und alles 'von selbst' abläuft.
Selbst das 'Aufgeben' ist
noch von intensiver Lust durchtränkt. So schwammen die Gehirne von Gazellen,
die nach intensiver Jagd von Geparden erlegt und dann von Forschern untersucht wurden,
regelrecht in Endorphinen und Stresshormonen.
Von Angst kann also nicht
die Rede sein, solange wir in Übereinstimmung mit unserer biologisch-körperlichen
Natur sind, wozu als Option auch gehört, sein Leben zu verlieren. In einer
konkreten Gefährdung empfinden wir nicht Angst, sondern Erregung und Furcht,
die den ganzen oben geschilderten Prozess aktivieren.
Angst ist die Verhinderung von Lust
Angst entsteht erst, wenn
wir keine Möglichkeit mehr sehen, für unser Behagen zu sorgen UND wenn
gleichzeitig die Lust verhindert wird, die durch das Ablaufen unserer körperlichen
Reaktionen entsteht.
Meiner Erfahrung nach sind
ausgeprägte und chronische Ängste, in welchem Gewand sie auch auftauchen,
letztendlich alle auf Störungen dieser biologischen Abläufe zurückzuführen. Ja
früher und umfangreicher die Störung eintrat, desto chronischer und intensiver
tritt sie als Angststörung wieder auf.
Diese biologischen
Steuerprozesse haben wir mit allen Tieren, die ein Stammhirn und ein
Verdauungs-Nervensystem besitzen, gemeinsam.
Darauf bezieht sich auch die
Überschrift: Zu 98% (In dieser Größenordnung ist unser Gensatz mit dem der
großen Menschenaffen identisch!) sind wir animalisch, wenn wir auch leider nur
zu oft geängstigte, gehemmte und eingeschüchterte Kreaturen sind.
Das Tier in uns zu befreien
ist sehr oft eine gesundheitlich gesehen unbedingt nötige Aufgabe, die, so
qualvoll sie uns auch mit alten überfordernden Situationen konfrontiert, doch 'den großen Preis' verheißt:
Wieder uns selbst in Besitz
nehmen und mutig, voller Lebenslust, angefeuert und warmherzig, kurz: richtig
lebendig 'da draußen' mitzuspielen.
Hier einige Beispiele aus
der Praxis:
1. "Nicht weg können und dabei leise sein" - Ein
expandierendes Paniksyndrom
Eine Frau sucht meine Praxis
auf, weil sie seit einigen Wochen beim Fahren auf der Autobahn Panikattacken
erleidet. Sie muss dann auf der Standspur anhalten und wird der Erregung kaum
Herr. Sie beobachtet, dass das Phänomen sich ausbreitet: Sie fährt nun mit dem
Zug, jedoch geht es auch da los. Nun hat sie sogar eine Attacke in einem
geschlossenen Raum erlitten.
In unserer Arbeit
miteinander stellt sich folgendes heraus:
Auslöser der Panikattacken
war das Erlebnis, nach einem Konzert für mehrere Minuten in einer Menschenmenge
eingekeilt zu sein, die zum Ausgang strebte. Danach hatte sie erstmals den 'Autobahnanfall'.
Das führte uns zu mehreren
Situationen als kleines Kind, in denen sie in einem Haufen anderer spielender
Kinder ganz unten lag und keine Luft mehr bekam und ähnlich panisch reagierte.
Als wir noch weiter
zurückgingen, kamen wir zu ihrer Geburt, bei der sie solange mit dem Kopf im
Geburtskanal stecken geblieben war, dass sie als 'blaues Baby' zur Welt kam -
Rettung in allerletzter Sekunde.
Es wurde außerdem noch
deutlich, dass sie und ihre ganze Familie in der Wohnung jahrelang flüstern mussten
(von ihrer Geburt an bis etwa zum sechsten Lebensjahr), weil es einen
bedrohlichen und sehr Lärm empfindlichen Nachbarn gab.
Hier haben wir also zwei Lust
hemmende Aspekte: Das Ausgeliefertsein und Feststecken kombiniert mit
Todesgefahr und absoluter Hilf- und Reglosigkeit zum einen, und zum anderen die
Unmöglichkeit, diese Grunderregung im Laufe der Kindheit beim lauten und wilden
Spiel abzureagieren, um eine neue Erfahrung neben die frühere zu stellen und
die frühere Erfahrung so zu relativieren.
Hier war also im
Nervensystem eine riesige Erregungsladung gespeichert, die jedoch keine
lustvollen oder entspannenden Ableitungsmöglichkeiten hatte.
Die Therapie bestand in
folgenden Schritten:
- Ausarbeiten eines sicheren Ortes in Phantasie
und Realität, bis der 'sichere Zustand' auch deutlich körperlich gespürt
und bei Bedarf, auch in Erregung, aufgesucht werden kann.
- Die ausdrückliche Erlaubnis, sich 'verdächtigen
Orten' (also solchen, an denen eine Panikattacke zu befürchten ist) nur in
dem Maß auszusetzen, wie die Klienten bereit dazu war. Als Hausaufgabe
sollte sie, wenn sie freiwillig solche Situationen aufsuchte, beobachten,
ob die Erregung noch gleich stark war oder abnahm und in welchem Ausmaß
- Würdigen der 'inneren Wächter', die ihre
Ausdrucksimpulse so lange und gründlich unterdrückt hatten, damit sie und
ihre Familie nicht gefährdet wurden (von dem Nachbarn - Gefährdung durch
eventuellen Wohnungsverlust).
- Verdeutlichen der systemischen Zusammenhänge:
Die Lebensgeschichten der Eltern, die nachvollziehbar machten, warum die
Geburt so dramatisch verlief (Mutter war ein Adoptivkind, deren leibliche
Mutter bei der Geburt starb) und welche erziehungsbedingten Hemmungen die
Eltern hatten und in dieser Wohnung wieder konkretisierten.
- Formung und Etablierung der Phantasie von
alternativen 'idealen' inneren Eltern und einer idealen Geburt, bis beide
Bereiche auch körperlich deutlich gespürt und aufgesucht werden können.
- Behutsames Einüben von spontanem und impulsivem
Ausdruck in zunächst sehr kleinen und später größeren Schritten. Am
schwierigsten war für die Klienten die Übung, laut um Hilfe zu rufen. Als
ihr das gelang, und zwar ohne Hemmung und mit einem lustvollen Gefühl,
besserte sich die Panik-Symptomatik zügig.
Nach
gut einem Jahr und etwa 50 Sitzungen von je 60 Minuten war die Klienten nicht
nur symptomfrei, sondern nahm ihr Leben auch energisch in die Hand, um sich
lang gehegte Wünsche zu erfüllen und Projekte in Angriff zu nehmen.
Unser
Feedback-Kontakt ging über vier Jahre; es gab keinen Rückfall in Paniksymptome.
Typisch
für das Psycho-Holistische Vorgehen ist, wie in diesem Fall, die Kombination
von unterschiedlichen Methoden, deren Einsatz für jeden speziellen Klienten
ganz 'maßgeschneidert' erfolgt.
In
obigem Beispiel kamen Interventionen zum Einsatz aus:
- Gesprächsführung
(Klientenzentriertes Gespräch, Gewaltfreie Kommunikation, zirkuläres Fragen
etc.)
- Psychodynamische
Erkundung und Konfliktbearbeitung
- Lebensskript-Analyse
aus der Transaktions-Analyse
- Körperpsychotherapie:
Focusing, Hakomi, Bioenergetik
- Interventionen
ähnlich der Traumalösungstherapie (Somatic Experiencing) nach Levine
- Die Arbeit mit
den inneren Eltern, wie es sie ähnlich in der Psychomotorischen Therapie nach
Pesso gibt
- Systemische
Familientherapie (ohne Familie)
- Maltherapie
- Dosiertes
Konfrontieren aus der Verhaltenstherapie
- Hypnotherapie
2. "Die Spinne schleicht und lauert" - Eine typische
Phobiegeschichte
Eine Klientin sucht meine
Praxis auf, weil sie nicht länger bereit ist, ihre Angst vor Spinnen
hinzunehmen. Nach ihrer Schilderung hat diese im Alter von etwa fünf Jahren begonnen.
Nach einer Angstphase, in
der der Verdacht auftaucht, der dunkle Fleck an der Wand könnte eine Spinne
sein (die Klientin ist etwas kurzsichtig und trägt in der Wohnung die Brille
nicht), erstarrt sie, wenn sie Gewissheit hat, und kann sich nicht mehr
bewegen. Sie muss die Spinne anstarren und kann sie nicht mehr aus den Augen
lassen aus Angst, diese könnte irgendwohin krabbeln und nicht mehr ortbar sein.
Schreien kann die Klientin noch, aber nur, wenn jemand in der Nähe ist oder
sein könnte, der die Spinne wegnimmt. Nur große, dunkle, haarige Spinnen ohne
Netz lösen die Angst bei der Klientin aus. Sie muss deswegen in oberen
Etagenwohnungen leben, weil in einem Haus mit Garten oder in einer Wohnung in
unteren Stockwerken mit Spinnen zu rechnen sei.
Die Klientin nimmt an einer
fortlaufenden Therapiegruppe (Körperpsychotherapie) teil und kommt außerdem
alle 14 Tage zu Einzelsitzungen.
Als Hauptproblem der
Klientin stellte sich schnell heraus, dass beide Eltern nicht imstande waren,
ihr Schutz und Halt zu geben, sondern dass im Gegenteil sie dafür gesorgt hat,
dass ihre Eltern sich wohl fühlen beziehungsweise nicht 'untergehen', wie die
Klientin es ausdrückt. Die Mutter hatte noch weniger zu geben als der Vater.
Für diese nahm die Klientin bis zum frühen Tod der Mutter die Mutterrolle ein.
Der Vater brauchte ständig Zustimmung und Bewunderung von der Tochter. Außerdem
hatte er einen sehr starken Kontrollzwang. So schlich und wartete er auf Socken
in den verwinkelten und dunklen Fluren des Elternhauses, um die Kinder bei
Versäumnissen zu ertappen und dann hart zu strafen: Beim Verlassen des Zimmers,
auch nur für ganz kurze Zeit, Licht oder Heizung anzulassen, die Tür nicht ganz
zu schließen. Außerdem stand er oft lange unbemerkt im dunklen Flur und schaute
der Tochter zu, wenn sie sich im Bad schminkte. Die Klientin erschrak sich
regelmäßig extrem, wenn der Vater sie plötzlich schreiend und strafend
konfrontierte und sie nachträglich realisierte, dass er sie schon längere Zeit
beobachtet hatte.
Solche Vorfälle gab es etwa
dreimal in der Woche vom 11. bis zum 17. Lebensjahr der Klientin. Ab dann
übernahm sie die Hauptverantwortung und kontrollierte ihrerseits, ob alles so
war, wie der Vater es wollte.
Einen Höhepunkt erfuhr ihre
Phobie, als der Vater, der natürlich davon wusste, ihr eine riesige Spinne
unter einer Glasschale präsentierte, sie ihr ganz plötzlich von hinten direkt
unter die Nase hielt. Die Klientin erschrak dermaßen, dass sie die Schale mit dem
Arm wegstieß und ihren Vater auch, der sich nun seinerseits erschrak und wütend
wurde, weil er der Klientin 'ja nur zeigen wollte, wie niedlich die Tierchen
eigentlich sind'. Die Klientin empfand diesen Vorfall als eindeutig, wenn auch
unbewusst sadistisch von ihrem Vater.
Die Klientin erinnerte sich
außerdem, dass sie bis zum 7. Lebensjahr einschließlich ein unbeleuchtetes
Außen-Plumpsklo aufsuchen musste, das etwa zehn Meter von der Haustür entfernt
war. Hier hatte sie sich immer sehr gefürchtet, vor allem, nachdem ihr im
Dunklen eine große Spinne über den entblößten Oberschenkel gekrochen war. Sie
hatte auch Angst, in das Loch zu fallen, das ihr als kleines Kind riesig
vorkam.
Ihre Eltern verspotteten und
demütigten sie, wenn sie versuchte, ihre 'Plumpsklo-Ängste' auszudrücken.
Die typische Phobie-Dynamik
war also gegeben:
Eine frühe Furcht, die
mehrmals am Tag ausgehalten werden musste, die keinen Trost, kein Verständnis
und keine Möglichkeit des Entkommens erfuhr und sich als ausweglose Angst im
Organismus festsetzte mit dem Fokus auf die Spinne als Symbol des ganzen
Angstgefüges, wozu auch der nicht gegebene Halt zählt.
Später wurde der Vater immer
mehr gefürchtet als Verursacher von plötzlichem und extrem bedrohlichem
Schrecken. Die Symbolik des Lauerns und Schleichens im Dunklen und der
plötzliche Angriff entsprachen genau der Verhaltensweise der gefürchteten
Spinnenart.
In Bezug auf ihren Vater
hatte die Klientin einen tiefen und zunächst völlig unbewussten Grundkonflikt:
Einerseits brauchte sie ihn verzweifelt als den einzigen (wenn auch
unzureichenden) Halt, wofür sie hart arbeitete, indem sie ihn, wie er es
ständig einforderte, bewunderte, bediente und ihm alles recht machte. Auf der
anderen Seite empfand sie tiefen Hass auf ihn und große Angst vor ihm, weil er
sie immer wieder erschreckte, sie auf
grausame Art seelisch quälte, und sie sich nicht davor in Sicherheit bringen
konnte.
Interessanterweise fanden
wir heraus, dass das Schreien in Angesicht der Spinne, das völlig spontan
entstand, obwohl die Klientin es unterdrücken wollte, tatsächlich auch
Lustgefühle hervorrief. Es war das einzige Ventil, das ihre innere Qual
überhaupt fand, um sich bemerkbar zu machen.
Der innere Konflikt wurde in
den Einzelsitzungen bearbeitet, während die Möglichkeit, sich abzugrenzen, sich
zu wehren und wütend sein zu dürfen; nachträglich Halt und Geborgenheit zu
erfahren und sich überhaupt wahrhaftig anderen Menschen zu zeigen, in der
Gruppentherapie trainiert wurde.
Nach etwa zwei Jahren
erzählte die Klientin stolz, dass sie ein große Spinne in ihrer Wohnung 'erlegt' habe und sie als Mahnmal breit gequetscht im Flur habe liegen lassen,
als 'Warnung' für alle anderen Spinnen.
Damit verschwand die Phobie
und die Klientin begann aufzublühen und ihr Leben wie ihre Kontakte zu anderen
Menschen zunehmend selbst bestimmt zu gestalten.
Auch in dieser Therapie
wurde ein breites Spektrum an Methoden eingesetzt, mit den beiden Schwerpunkten
Gespräch und Körperpsychotherapie.
Ich freue mich, wenn es mir
gelang, hier einen psycho-holistischen Blick auf Angstsymptome zu werfen, einen
Teil des Hintergrundes anzuleuchten und therapeutische Möglichkeiten
aufzuzeigen.
Dieser Artikel ist im Angstportal erschienen